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Henry Dunant und die Schlacht von Solferino

 

24.06.2009

Henry Dunant
Henry Dunant wurde am 8. Mai 1828 in eine calvinistische, streng protestantische, Schweizer Kaufmannsfamilie hinein geboren. Er machte eine Ausbildung in einer Bank. In Sétif in Algerien übernahm er die Verantwortung für eine Kolonie von Schweizern. Doch seine Projekte scheiterten, weil ihm wichtige Land-Konzessionen fehlten. So entschloss er sich, eine Audienz bei dem französischen Kaiser Napoleon III. zu erbitten, um die entsprechenden Dokumente zu erhalten.
(Algerien war damals französische Kolonie).

Die Schlacht von Solferino
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Italien zersplittert. Der König von Piemont-Sardinien musste sich die Herrschaft über Italien mit dem Haus Habsburg (Lombardei-Venetien) sowie den Bourbonen (Sizilien) teilen. 1859 kam es zur Schlacht, in der die Truppen aus dem Haus Piemont-Sardinien durch die Franzosen unter Kaiser Napoleon III. unterstützt wurden. Auf beiden Seiten standen sich am Morgen des 24. Juni über 100.000 Soldaten gegenüber. Nach 15 Stunden Kampf lagen über 6.000 Tote auf dem Schlachtfeld, Zehntausende waren verwundet oder vermisst, blieben unversorgt und starben in den Tagen danach. Die Österreicher unterlagen.

Gemälde über die Schlacht von SolferinoHenry Dunant reiste nach Norditalien, um Napoleon III. zu treffen. Er fand sich plötzlich inmitten der Schlacht wieder. Er vergaß den Grund seiner Reise. Er barg – ohne Mandat und Auftrag – die Verletzten und Sterbenden, spannte Dorfbewohner in die Pflege ein und kümmert sich darum, dass letzte Worte der Toten an die Angehörigen weitergeleitet wurden.
Zurück in der Schweiz schrieb er „Eine Erinnerung an Solferino“. Im November 1862 kam die erste Auflage heraus. Er verschickte sie an die Herrscher in Europa. Daraufhin wurde in Genf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gegründet. Doch 1867 war Dunant bankrott. Mit Schulden in Höhe von einer Million Schweizer Franken (Wert 1860) war er komplett ruiniert. Die Gesellschaft mied ihn. Ein Schlag, von dem er sich nie richtig erholen sollte.
Er trat von seinem Posten als Sekretär des IKRK zurück und ging nach Paris, war zeitweise obdachlos. Die Rotkreuz-Idee jedoch lebte. Dunant wurde Ehrenmitglied der Rotkreuz-Gesellschaften in Österreich, Holland, Schweden, Preußen und Spanien.

Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 besuchte er die verletzten Soldaten in Paris. Inzwischen war die Rotkreuz-Armbinde verbreitet. Diese Armbinde mit dem Kreuz sollte jeden Rotkreuzhelfer kennzeichnen, der ausschließlich nach dem Maß der Not Hilfe bot und dafür vor Angriff durch die Kriegsparteien geschützt sein sollte. (Ein Grund weshalb das Rote Kreuz auch heute noch bei jedem Missbrauch des Schutzzeichens mit juristischen Schritten droht.)
Dunant zog weiter nach London. Doch die britische Regierung stand seinen Plänen feindlich gegenüber, eine internationale Konferenz zur Linderung des Schicksals von Kriegsgefangenen abzuhalten. Der russische Zar hingegen unterstützte ihn.

Gemälde über die Konferenz in LondonAm 1. Februar 1875 fand auf Dunants Initiative eine Konferenz zur endgültigen Abschaffung der Sklaverei in London statt. Es folgten unstete Jahre in Armut. Dunant lebte in Italien, im Elsass - angewiesen auf die Gastfreundschaft und die Hilfe weniger Freunde. Zehn Jahre verbrachte er im Haus des Pfarrer Wagner in Stuttgart. Im Schweizer Dorf Heiden kam er schließlich zur Ruhe und schuf eine religiöse Bilderwelt, die für alles Erklärungen und Zusammenhänge suchte und fand. 1895 stöberte ihn der Journalist Georg Baumberger auf. Sein Artikel über Dunant wurde überall in Europa nachgedruckt. Dunant erreichten Sympathiebekundungen aus aller Welt – 1901 erhielt er den Friedensnobelpreis. Eine späte Genugtuung für den Visionär. Henry Dunant starb am 30. Oktober 1910.
Das Leben des Henry Dunant war ein Wechselbad des Erfolgs und des Misserfolgs. Er war kompromisslos in seinen Ansichten und manchmal hilflos gegenüber seinen Mitmenschen. Doch seine Beharrlichkeit hat die Rotkreuzbewegung ins Leben gerufen und seine Ideen sind ihr noch heute Leitbild und Vision.

Text: Svenja Koch, Dr. Rudolf Seiters | Bilder: DRK-Archiv, Möbius


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