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"Trommelgruppe" auf Erfolgskurs

 

13.09.2016

DRK-Kreisverband betreut junge Musiker aus einer Flüchtlingsunterkunft in Sinsheim / Spenden gesucht für Freizeitprogramm

Andrea Schmedes neben einem Flüchtling
Foto: Beate Stumpf
In der Breiten Straße Drei vor der Messehalle sitzen Security Männer unter einem Sonnenschirm und beobachten andere Männer, die irgendwo im Schatten der Halle herumlungern. Alltag besteht hier zu großen Teilen aus Warten,  kein Lüftchen weht, alles wirkt so lauschig. Doch Langeweile und Perspektivlosigkeit ist sichtbar.

Mit Andrea Schmedes vom DRK Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg naht Abwechslung. Sie ist Koordinatorin der rund 30 freiwilligen Helfer in der Flüchtlingsarbeit – und die haben schon viel Programm auf die Beine gestellt in den vergangenen acht Monaten.  „Hier sammeln sich coole Leute“, freut sich Schmedes.
In der Breiten Straße betreibt der Landkreis Rhein-Neckar seit Januar eine Notunterkunft – ausgelegt  für bis zu 1000 Menschen. Zurzeit leben dort rund 400 Männer aus unterschiedlichen Kulturen.  Die Halle  ist mit undurchsichtigen Trennwänden in Parzellen aufgeteilt. Ein Großteil steht leer. Trotzdem müssen die Flüchtlinge in Stockbetten zu zehnt auf engstem Raum in jeweils einer Parzelle leben. Darüber hinaus gibt es Freiflächen und Schulungsräume. Das Essen bringt ein Caterer, die Männer können sich nicht selbst verpflegen.

Das Rote Kreuz ist nur für die Sozial- und Verfahrensberatung zuständig. Heute wird die DRK-Mitarbeiterin auch Michael Schneider und Johanna Thie treffen. Die beiden haben schon mal ihre Jungs aus Gambia zusammengerufen – zur wöchentlichen Trommelsession.

Gruppenbild mit Musikern der TrommelgruppeDenn das Gambia-Djemben-Ensemble (afrikanische Trommel) hat sich unter dem Motto „Breite Seite-Willkommens-Kul-Tour“ durch zahlreiche Auftritte in der Region längst einen „kleinen“ Namen gemacht.  Bis zum September stehen – bislang – noch 17 Veranstaltungen  auf dem Terminplan – und die Nachfrage in der Region steigt. Bekannt sind die elf jungen Afrikaner zum Beispiel vom Stadtfest in Sinsheim, von Auftritten in Heidelberg oder Besuchen in einer Schule in Waibstadt. „Die Integrationskraft der Auftritte in Schulen ist phantastisch. Das Schwierigste ist, pünktlich anzukommen“, lacht Michael Schneider. Beim Thema Pünktlichkeit sei „die deutsche Frustrationstoleranz“ gefordert.

Im März war es, dass der  ehemalige  Kontrabassist des Philharmonischen Orchesters Heidelbergs in der Breiten Straße mit einer wöchentlichen Musizierstunde begann. Inzwischen hat er neben der Trommlergruppe – samt Tänzer - auch ein Gitarrenensemble  zusammengebracht – und fährt viermal pro Woche nach Sinsheim. „Ich bin jetzt vom Musiker zum Konzertmanager geworden“, grinst Schneider. Übrigens: Die Jungs trommeln kostenlos.

In einem Begegnungsbereich werden in der Halle aber auch noch andere Angebote für Sprachkompetenzen und Erstorientierungen zum Leben in Deutschland gemacht. „All das wäre ohne die Freiwilligen nicht möglich“, betont Andrea Schmedes. Die Deutsch-Kurse seien auch gut besucht. „Ein Drittel der Männer erreichen wir aus unterschiedlichsten Gründen allerdings nicht mit unseren Angeboten“, räumt sie ein.

Carmen Fenner zum Bespiel bringt im Bundesfreiwilligendienst beim DRK Ideen in die Kreativwerkstatt mit ein und organisiert Nähmaschinen oder Pinsel und Blöcke. Ein Chor sucht Mitsänger, regelmäßige Kulturveranstaltungen locken in die Welt nach draußen. Mit dabei im freiwilligen Helferkreis sind  inzwischen auch Bewohner der Halle. Oussainou aus Gambia spricht inzwischen sehr gutes Deutsch und hat eine Fußballmannschaft auf die Beine gestellt. Bei Freundschaftsspielen in Sinsheim und Neidenstein hat die Mannschaft gut abgeschnitten. Zusammen mit einem anderen Flüchtling leitet er ein Fitness-Studio in der Halle. „Das ist sehr beliebt, es lenkt vom Nichtstun ab“, weiß er. Andere Männer haben ein Gartenprojekt vor der Halle gestartet mit Kürbissen, Sonnenblumen und Bohnen.

Alle Aktivitäten der Freiwilligen unter der Federführung des DRK sind auf Unterstützung, Sach- und Geldspenden angewiesen. Das Rote Kreuz plant laut Schmedes in Sinsheim auch ein weiteres Projekt.  Es soll eine  interkulturelle Begegnungsstätte zum Kennenlernen sein, aber auch  mit besonderen sozialen Angeboten für Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Das Rote Kreuz sieht sich als Wohlfahrtsorganisation hier in besonderer Verantwortung. Mit in der Planung ist ein Kleiderladen.

E-Mail:   zeitspenden@drk-rn-heidelberg.de

 

Text und Fotos: Beate Stumpf



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