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Kreisverband Rhein-Neckar / Heidelberg e. V.

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PSNV-Einsatz des DRK: Notfallseelsorge in einer Ausnahmesituation

13.08.2021

Felix Zurbrüggen

Ansprechpartner

Herr 
Felix Zurbrüggen
Kommunikation & Marketing

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06221- 90 10 77
Telefax:
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Die Arbeit in den Hochwasser-Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz für unsere ehrenamtlichen Einsatzkräfte dauert an. Die noch immer leidende Bevölkerung dort wird seit Tagen von DRK-Kräften aus dem Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg psychologisch betreut.

Ihr eigenes großes Leid wird den Betroffenen in den Hochwassergebieten selbst in vollen Ausmaß erst nach und nach greifbar. Dann, wenn der erste Schock überwunden ist. Wenn die Erkenntnis reift, dass das eigene Haus und alle Besitztümer unwiederbringlich weggespült wurden, dass verstorbene Angehörige, Freunde oder Nachbarn nie mehr zurückkehren. Und wenn klar wird, dass das eigene Leben nicht mehr so sein wird, wie es noch Anfang Juli war.

15 Fachhelferinnen und Fachhelfer des Kreisverbandes im Einsatz

Wenn diese Gewissheit durchdringt, ist psychologische und menschliche Hilfe gefragt: Eine Schulter zum Ausweinen, ein Gegenüber, der zuhört oder einfach nur für den anderen da ist. „Diese schwierige wie wichtige Aufgabe übernehmen derzeit insgesamt 15 speziell geschulte ehrenamtliche Fachkräfte aus unserer Einsatzgruppe Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV)“, so Jörg Küllmar, Leiter der Gruppe PSNV des DRK-Kreisverbandes Rhein-Neckar/Heidelberg. „Für diesen nicht-alltäglichen Einsatz opfern viele von ihnen ihre Urlaubstage aus dem Hauptberuf – das ist schon ein bemerkenswertes Engagement“.

Am 1. August erging erstmals die Anforderung an die Kreisverbände Rhein-Neckar/Heidelberg und Mannheim, eine Führungsstruktur zu entsenden, die vor Ort in Rheinland-Pfalz einen organisationsübergreifenden Einsatzabschnitt PSNV (psychosoziale Notfallversorgung) aufbaut. Von dieser Einsatzzentrale am Flughafen Mendig rücken seitdem täglich psychologisch geschulte Einsatzkräfte aus, um den Menschen vor Ort beizustehen. „Unsere Hauptaufgabe bestand einerseits darin, vor Ort als Ansprechpartner und Notfallseelsorger präsent zu sein, zum Beispiel an zentralen Anlaufstellen wie Essensausgaben oder Notunterkünften“, erzählt Manuela Schütz, eine der ersten PSNV-HelferInnen vor Ort. „Weiterhin entlasteten wir den Regeldienst der Betreuungskräfte, die es vor Ort gibt – die natürlich schon tagelang ununterbrochen im Einsatz gewesen waren. Hinzu kamen viele Akut-Aufträge von der Gesamteinsatzleitung, die unsere Teams teilweise in mehreren Einsätzen pro Tag bewältigen mussten“.

Viel Leid und schwere Schicksale 

 

Diese Betreuungsaufträge führen die Einsatzkräfte zu schweren Schicksalen: „Unsere Fachhelferinnen und -helfer der PSNV betreuen beispielsweise Menschen, denen grade mitgeteilt wurde, dass ihr Haus – ihre Heimat – komplett abgerissen werden muss. Die stehen erstmal vor dem Nichts“, so Manuela Schütz. „Oder sie sprechen mit Baggerfahrern und Kranführern, die bei ihrer Arbeit noch regelmäßig Leichen bergen. Das ist für die Betroffenen eine schlimme Ausnahmesituation“.

Im PSNV-Einsatz ist kein Fall wie der andere. Jede und jeder Betroffene hat ein individuelles Schicksal – darauf einzugehen, zuzuhören, Trost zu spenden und eine Perspektive aufzeigen, das ist eine immens herausfordernde und auch kräftezehrende Aufgabe für die Einsatzkräfte. Ein Lichtblick – sowohl für Einsatzkräfte als auch Betroffene: Das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung in den Katastrophengebieten. „Auch die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer aus ganz Deutschland tragen zu einem Gemeinschaftsgefühl bei, das die Leute dort ein Stück weit trägt“, so Manuela Schütz.

Hohe psychische Belastung

Wegen der hohen psychischen Belastung und der Einsatzdichte werden die PSNV-Helferinnen und Helfer in verschiedenen Tranchen in den Einsatz geschickt. Alle vier Tage entsendet der DRK-Kreisverband zwischen zwei und fünf Einsatzkräfte. Die verschiedenen Kontingente aus Baden-Württemberg, bestehend aus Einsatzkräften der Rettungsorganisationen und kirchlichen Einrichtungen, sammeln sich an der Koordinierungsstelle PSNV, die sich an der Landesfeuerwehrschule Bruchsal befindet. „Im aktuellen Einsatz stellen wir einen großen Teil der insgesamt eingesetzten Kräfte“, so PSNV-Leiter Jörg Küllmar.

Die Fachhelferinnen und Fachhelfer der PSNV sind nicht nur für die Bevölkerung vor Ort, sondern auch für Einsatzkräfte, die nach ihren Einsätzen Unterstützung brauchen. „Jemand, der hauptverantwortlich schlimme Einsätze geleitet oder viel Leid gesehen hat, der braucht auch mal eine Pause, um sich zurückzuziehen und das Erlebte zu verarbeiten“, so Jörg Küllmar. Auch für die PSNV-Einsatzkräfte selbst braucht es Möglichkeiten, das Erlebte zu verarbeiten und sich darüber auszutauschen. Vor Ort im Einsatz geschieht dies in abendlichen Besprechungsrunden. „Mein Kollege Sven Mautner und ich sind als PSNV-Leitung für die Einsatzkräfte ebenfalls 24/7 erreichbar. Wenn der Einsatz für uns beendet ist, bereiten wir für die Rückkehrenden ebenfalls Treffen vor und sprechen sie auch im Nachgang noch mal persönlich an. Wir haben nicht nur für die Hilfesuchenden im Hochwassergebiet eine Verantwortung, sondern gleichwohl für unsere eigenen Leute“, so Jörg Küllmar. Bis zum 16. August sollen alle Kräfte zurückgekehrt sein – dann beginnt in der Gruppe PSNV des Kreisverbandes Rhein-Neckar/Heidelberg die Nachbearbeitung eines außergewöhnlichen Einsatzes.

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