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Erste Hilfe für die Seele – Das Jubiläum der PSNV im Rückblick

 

18.10.2013

„Erste Hilfe für die Seele“ – so beschreiben die Helfer der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) ihre Arbeit. Seit 10 Jahren gibt es diesen ehrenamtlichen Dienst, besser bekannt unter dem Namen „Notfallnachsorgedienst“, beim DRK Kreisverband Rhein-Neckar/ Heidelberg. Dieses Jubiläum nahmen die Helfer unter der Leitung von Jörg Küllmar und Sven Mautner zum Anlass, zu einem Fortbildungstag für alle Interessierte innerhalb und außerhalb des Roten Kreuzes einzuladen.


Gruppenbild der Jubiläums-Gruppe der Psychosozialen Notfallversorgung
Das zahlreich erschienene Publikum erlebte im Bürgerzentrum Heidelberg-Kirchheim Fachvorträge auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Zunächst begrüßte der Moderator der Veranstaltung, Wilfried Rother von der DRK Landesschule Frau Helga Franz- Flößer vom Verein Lebenswege e.V. Sie referierte zum Thema „Unfassbar – der Tod eines Kindes. Was brauchen Betroffene in der Akutsituation?“ Franz-Flößer schaffte es, mit ihrer eigenen Betroffenheit und der langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit trauernden Eltern den drastischen Einschnitt ins Leben der Familien nach dem Tod eines Kindes nachvollziehbar zu machen. Sie erklärte, wie bedeutend die Betreuung durch die PSNV-Kräfte in den ersten Stunden ist. Sie  kann Wegbereiter für eine gelingende Trauerarbeit sein. Wie wichtig dieses Thema ist, konnte man an der Resonanz auf den Info-Stand ihres Vereins im Foyer erkennen, an dem die Wünsche der betroffenen Eltern auch in Schriftform zum Mitnehmen bereit lagen.

Immer öfter kommt es vor, dass der Notfallnachsorgedienst zur Begleitung von Palliativpatienten gerufen wird. Durch vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten soll es sterbenden Menschen erleichtert werden, im vertrauten Umfeld im Kreis der Familie ihr Leben zu beenden. Doch in einigen Fällen sind die Angehörigen mit der Situation überfordert und benötigen Hilfe. Wie diese aussehen kann, erläuterte Dr. Damaris Köhler, Oberärztin in der GRN Klinik Sinsheim. Sie ließ die Zuhörer an ihrer reichhaltigen Erfahrung in der Palliativmedizin teilhaben und gab hilfreiche Tipps, wie man Sterbenden die letzten Stunden erleichtern und Angehörige unterstützen kann.

Nach einer kleinen Stärkung am reichhaltigen Kuchenbuffet erwarteten die Besucher mit Spannung den Vortrag von Peter Zehentner, Leiter des Kriseninterventionsteams des ASB München zum Thema „Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen“.
Für in der PSNV Tätige waren die Zahlen und Statistiken, die Peter Zehentner an den Beginn seiner Ausführungen stellte keine Überraschung, ist doch das Einsatzstichwort Suizid eines der häufigsten Indikationen für die Helfer.

Dennoch ist es erschreckend, dass Tod durch Suizid die zweithäufigste Todesursache in dieser Altersgruppe ist – es sterben weitaus mehr Jugendliche durch die eigene Hand als durch Unfall und Gewalttaten zusammen. Die Dunkelziffer ist sicher noch viel höher. Trotz dieses schweren Themas gelang es dem Referenten, durch seine mitreißende Art des Vortrags die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Beindruckend waren besonders die Ausschnitte aus einer Audio-Datei, die ein Gespräch einer Kit-Mitarbeiterin mit zwei Mädchen zum Inhalt hatte. Den Jugendlichen wurde die Nachricht vom Suizid ihres Vaters überbracht und das Publikum durfte an den Reaktionen der Mädchen und der Betreuung durch die Fachhelferin teilhaben.

Am Ende seines Vortags richtete Peter Zehentner einen eindringlichen Appell an alle, das Thema Suizid aus der Tabuzone zu holen und besonders mit Jugendlichen darüber zu sprechen und sie zu befähigen, bei Andeutungen oder Warnzeichen im Freundeskreis angemessen zu reagieren. Jedem Suizid ist ein Gespräch vorausgegangen, das nicht stattgefunden hat, und damit sind wir alle gefordert.

Der beeindruckende Fortbildungstag wurde abgerundet durch einen stimmungsvollen Gottesdienst in der nahegelegenen Petrus-Kirche. Zusammen mit Pfarrer Herrmann gestaltete die PSNV Gruppe die Feier als Gedenkgottesdienst für alle Verstorbenen und die Menschen, die von der PSNV Gruppe betreut wurden und gleichzeitig auch als Dankgottesdienst für alle, die diesen wichtigen Dienst auf die eine oder andere Art unterstützen.
Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst von einem Sinsheimer Bläserensemble unter der Leitung von Manuel Karrer und dem Gospelchor „Joy“ aus Waibstadt.

Am Abend gab es noch einen kleinen Empfang für geladene Gäste. Nach weiteren Darbietungen der Bläser und den Willkommensworten der beiden Leiter Küllmar und Mautner, die besonders auch die Vertreter der Polizei und der Feuerwehr begrüßten, gab Wilfried Rother als Vertreter der PSNV auf Landesverbandsebene einen kleinen Rückblick auf die Arbeit der vergangenen 10 Jahre. Neben seinem Dank für die geleistete Arbeit mahnte er auch an, dass bei der Betreuung und Schulung der Einsatzkräfte noch weiter Bedarf besteht.
Anschließend stellte sich die Jubiläums-Gruppe selbst vor, mit wichtigen Symbolen und berührenden Worten zu ihrer Arbeit. Es war beeindruckend, die ganze Gruppe zusammen auf der Bühne zu sehen!

Die Kreisbereitschaftsleiterin Alexandra Erni übernahm es, in einer internen Ehrung die „Gründungsmitglieder“ für 10 Jahre und weitere Mitglieder für 5 Jahre mit einem Präsent zu ehren. In einer sehr persönlich gehaltenen Rede bedankte sie sich im Namen des DRK Kreisverbandes für die geleistete Arbeit, besonders dafür, dass die PSNV Helfer auch den ehren- und hauptamtlichen Kräften jederzeit zur Verfügung stehen. Wie wichtig diese Arbeit in der Ausbildung und in der Nachbereitung von Einsätzen ist wurde aktuell deutlich in der Aufarbeitung des Amoklaufes in Dossenheim im August dieses Jahres.

Auch Thomas Eisermann als Vertreter des Feuerwehrseelsorgeteams ließ es sich nicht nehmen, einige Grußworte an die Anwesenden zu richten. Schlussendlich bedankte sich die PSNV Leitung bei den anwesenden Vertretern des Vereins „Teddybär e.V.“ die schon seit Jahren die Gruppe mit  „Trösterbären“ versorgen und bei der DRK Bereitschaft Wiesloch für die Mithilfe bei der Bewirtung. Der Abend klang aus mit vielen Gesprächen bei leckerem Essen, musikalisch umrahmt von Charly Weibel mit seinen unnachahmlichen Liedern.

Anfang des kommenden Jahres startet eine neue Ausbildung zum “Fachhelfer PSNV“. Weitere Informationen unter www.psnv-drk-rn-heidelberg.de
Mail: psnv@drk-rn-heidelberg.de, Telefon: 06221-901040

Manuela Schütz



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