geparkte DRK-EinsatzwagenFoto: Petra Uhlenbrock

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Kreisverband Rhein-Neckar / Heidelberg e. V.

Langer Anger 2
69115 Heidelberg
Tel. 06221 / 90 10 0
Fax 06221 / 90 10 60

Notruf: Tel. 112 | Krankentransport: Tel. 19222



„Es sah aus wie im Krieg!“

22.07.2021

Felix Zurbrüggen

Ansprechpartner

Herr 
Felix Zurbrüggen
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Am vergangenen Dienstag kehrten die Einsatzkräfte des DRK-Kreisverbandes Rhein-Neckar/Heidelberg vom Einsatz im Hochwasser-Katastrophengebiet zurück – mit Eindrücken im Gepäck, die selbst erfahrene und hartgesottene Rotkreuzler aufwühlten.

Die Bilder vom Bereitstellungsraum am Nürburgring sind beeindruckend: Hunderte Einsatzwagen von Rettungsdiensten, THW und Feuerwehr reihen sich neben schwerem Gerät der Bundeswehr auf. Einsatzleiter geben Funksprüche ab. Alle 15 Minuten startet ein Helikopter und bringt Frischwasser ins Katastrophengebiet. Tausende Rettungskräfte sammeln sich hier, um bei der schlimmsten Naturkatastrophe zu helfen, die Deutschland in den letzten Jahrzehnten getroffen hat. Auf dieses Szenario trafen auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer des DRK-Kreisverbandes Rhein-Neckar/Heidelberg.

100 Krankentransportwagen in Kolonne auf der Autobahn

Bereits am Donnerstag wurden die Einsatzkräfte aus Baden-Württemberg von Bruchsal aus in größeren Einsatzformationen in das Katastrophengebiet entsendet – 100 Krankentransportwagen auf Anforderung des Landes Baden-Württemberg. Von Donnerstagnachmittag bis Freitagmittag unterstützte die Führungskomponente des Kreisverbandes um Filipe Duarte Nogueira, Yvonne Wiedl und Thomas Erni mit 75 KTW den Regelrettungsdienst in Ahrweiler.

Am Samstag erfolgte dann die erneute Alarmierung. Aus dem Rhein-Neckar-Kreis wurden 2 KTW und erneut die Führungskomponente angefordert, diesmal bestehend aus Yvonne Wiedl, Matthias Reinhard und Patrick Bräunling.

„Zunächst warteten wir am Bereitstellungsraum am Nürburgring auf den Einsatzauftrag des dortigen Einsatzstabes“, erzählt Yvonne Wiedl, Kreisbereitschaftsleiterin des DRK-Kreisverbandes Rhein-Neckar/Heidelberg. Die dortige Boxengasse diente als Massenunterkunft für Hilfskräfte, das THW errichtet zudem eine Zeltstadt. Dennoch war es eng – und so schliefen viele Einsatzkräfte unter freiem Himmel.

„Plötzlich liegen Chaos und Zerstörung vor einem“

„Am Montag wurde unser Kontingent aus 32 KTWs nach Ahrweiler verlegt. Schon die Anfahrt war nicht wie andere: „Man fährt durch eine wirklich schöne Landschaft und plötzlich nach einer Kurve liegen Chaos und Zerstörung vor einem“ erzählt die Kreisbereitschaftsleiterin. „Ganze Landstriche, Straßen, Brücken, alles wurde von den Fluten zerstört“. Selbst erfahrenen Einsatzkräften verschlug es da erstmal die Sprache.

In Ahrweiler unterstützten die Kräfte nicht nur den Regelrettungsdienst, verlegten Patienten aus betroffenen Alten- und Pflegeeinrichtungen, sondern leisteten auch sogenannte Gebietsabdeckung in den Bereichen, die infrastrukturell abgeschnitten waren. Sie stellten also gemeinsamen mit der Feuerwehr eine Grundsicherung her, in Form von Anlaufpunkten für die Bevölkerung. Denn diese hatten vor Ort in ihren Häusern (sofern diese noch bewohnbar waren) weder Wasser, Strom, noch Kommunikationsmöglichkeiten. Durch diese Anlaufstellen kamen die Helferinnen und Helfer in regelmäßigen Kontakt mit den Betroffenen. „Uns als Deutschem Roten Kreuz schlug vor Ort große Dankbarkeit entgegen – übrigens bereits auf der Anfahrt im Konvoi. Die Menschen haben sich über unsere Hilfe sehr gefreut und uns auch ihre Geschichten anvertraut“, erzählt Yvonne Wiedl.

So berichtete ein Opfer der Flutkatastrophe, dass er sich aus dem Untergeschoss seines Hauses innerhalb weniger Minuten schwimmend aus seinem Schlafzimmer zur Treppe retten musste, um das Haus verlassen zu können. Das Wasser sei im Zimmer innerhalb von 30 Sekunden um einen halben Meter gestiegen. Jede Warnung lief ins Leere, denn: „Was macht man, wenn vor Unwetter und Starkregen gewarnt wird? Man bleibt zuhause“, erzählte der Überlebende ratlos.

Traumatische Erlebnisse für Flutopfer und Rettungskräfte

Zusätzlich zu den traumatischen Erlebnissen mussten die Betroffenen anpacken und mit den Aufräumarbeiten beginnen. Denn das sommerliche Wetter hatte eine Austrocknung des Schlammes zufolge, welcher diesen hart wie Beton machte. „In vielen Fällen wird hier eine psychologische Aufarbeitung der Geschehnisse nötig sein – übrigens auch bei manchen der eingesetzten Rettungskräfte“, vermutet Yvonne Wiedl. Vor Ort sind längst viele Helferinnen und Helfer der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Einsatz. „Diese Unterstützung ist sehr wichtig, denn die Situation vor Ort war wirklich schrecklich. Es werden immer noch hunderte Menschen vermisst. Die Chancen, dass von denen jemand noch lebt, sind gering. Dieser Einsatz ging an niemandem von uns spurlos vorbei“, gibt Yvonne Wiedl unumwunden zu.



Seit Dienstagmittag sind alle Einsatzkräfte aus dem DRK-Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg wohlbehalten zurückgekehrt. In Gedanken sind sie aber noch oft bei den Menschen, die fast alles verloren haben – und natürlich bei den verbliebenen Kolleginnen und Kollegen, die vor Ort weiterhin viel riskieren. Der Einsatz im Unglücksgebiet wird noch Wochen dauern. Die Katastrophenschützer aus Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis stehen jedenfalls schon wieder bereit, sollten sie erneut angefordert werden.

Das DRK rät Spontanhelfern von außerhalb dringend davon ab, einfach in die Katastrophengebiete zu reisen. Das würde die koordinierten Hilfsmaßnahmen gefährden. Auch auf Sachspenden bitten wir zu verzichten – es sind bereits so viele Sachspenden eingegangen, dass diese Menge kaum noch zu verteilen ist. Am effektivsten sind zentrale Geldspenden, um die betroffenen Menschen zu unterstützen.


Spendenkonto „Hochwasser“ des DRK:
IBAN: DE63370205000005023307
BIC: BFSWDE33XXX
Stichwort: Hochwasser

 

Fotos: Petra Uhlenbrock

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